Montag, 16 April 2012 14:48

OFF Rossija: Hinter den Kulissen

OFF Rossija: Hinter den Kulissen

Olga Bogdanova (20) aus der Ukraine absolviert im FiSH-Festivalbüro ihren Europäischen Freiwilligendienst und widmet sich dabei insbesondere der Organisation des Gastlandfensters OFF Rossija. Dabei hat sie einige russische Eigenarten aufgedeckt, von denen sie im Interview erzählt.

Du bist Ukrainerin. Gab es deshalb Vorbehalte auf russischer Seite? Bemerkte das überhaupt jemand?
Ich vermute, niemand weiß, dass ich Ukrainerin bin. Ukrainisch und Russisch sind beide meine Muttersprachen. Die sprachliche Situation in der Ukraine gilt als Phänomen, zumindest in der Hauptstadt sowie im Osten und Süden des Landes – das weiß allerdings, außer den Ukrainern selbst, kaum jemand in Europa.

Was für mein Land eigentlich nicht so gut ist, scheint dafür bei der Arbeit im FiSH-Festivalbüro sehr hilfreich zu sein. Die Filmemacher haben schon mehrmals geschrieben, dass sie glücklich sind, eine "Landsfrau" als Ansprechpartnerin zu haben. Also: Vorbehalte gibt es nicht, sondern eigentlich nur Vorteile.

Russische Nachwuchsregisseure nach Rostock zu lotsen, scheint alles andere als leicht zu sein. Über welche Probleme bist du bei der Organisation gestolpert?
Ganz am Anfang war es echt schwierig und anstrengend, Filminstitute, Werkstätten und Filmemacher zu finden. In Russland ist es noch immer nicht selbstverständlich, Kontakte und Informationen ins Internet zu stellen. Wenn du ein Institut per Mail erreichen willst, ist das eine Katastrophe. Deswegen musste ich sehr viele Leute über das russische Sozialnetzwerk "VKontakte" finden und kontaktieren, wo sie Filmgruppen bilden.

Zweitens spielt die Entfernung zwischen Deutschland und Russland eine große Rolle. Die Korrespondenz geht viel langsamer voran und man braucht allein schon zwei Wochen, um eine DVD zu bekommen.

Aber die komplizierteste Sache war die Visumfrage. Einige Filmemacher haben keine Möglichkeit, unser Festival zu besuchen, weil sie noch keinen Reisepass haben, andere drücken sich selber die Daumen, um das Visum zu bekommen. Es ist wirklich mühevoll, etwas zu organisieren, wenn man gar nicht sicher sein kann, ob die Leute kommen – und auch leider nichts dafür machen kann.

Hast du zu Hause erzählt, was du hier genau machst? Und hatten deine Eltern gute Ratschläge parat?
Natürlich! Sie waren sehr froh, dass ich an einem so interessanten Projekt arbeite. Der beste Rat war, denke ich, alles von diesen neun Monaten mitzunehmen, Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, dabei aber auch die Familie und das Vaterland nicht zu vergessen.

Gab es etwas, das dir an der Arbeit zu OFF Rossija besonders viel Spaß gemacht hat?
Was ich sehr angenehm fand, waren die Unterhaltungen mit den russischen Filmfestivals, die mir viel bei der Filmemachersuche geholfen haben, immer verständnisvoll waren und mich unterstützt haben, als ob wir schon seit langem gute Freunde wären. Aber am meisten haben mir die Filme selbst Spaß gemacht. Ich war sehr beeindruckt, welche Themen die jungen Leute darin behandeln.

Du hast selbst in der Auswahljury OFF Rossija gesessen und weißt inzwischen, welche der Macher im Mai nach Rostock kommen. Freust du dich schon auf ganz Bestimmte?
Meiner Meinung nach haben wir wunderschöne Filme für das Gastlandsfenster OFF Rossija ausgewählt. Die sind aus verschiedenen Genres und mal lang, mal kurz. Auch mal grell und anstößig, wie etwa "Es könnte schlimmer sein", dann auch überirdisch wie "Die Erfindung der Liebe" oder rührend wie "Nyurka". Schade, dass wir nur zwei Stunden haben, um die junge Filmszene von einem so großen Land zu zeigen. Ich selbst und die anderen Mitglieder vom Auswahlgremium hätten gern noch ein paar Filme zum Programm hinzugefügt.

Abschließend muss ich sagen, unsere Korrespondenz mit allen Filmemachern verlief immer recht formlos und locker – ich freue mich schon auf unser Treffen. Sicherlich gibt es aber schon gewisse Lieblinge, mit denen wir mehr Kontakt hatten.

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